Paul Lüchinger

Seit 2012 Mitglied der Künstlergruppe Uster, regelmässige Teilnahme an den jährlichen Ausstellungen

 

Kunst ist für mich ein Reflex auf meine inneren Bewegungen. Es ist für mich die Antwort und der Gegenpol auf die Beobachtung der äusseren Einflüsse.

Den kreativen Ausdruck dazu finde ich im Zeichnen, Malen und dem Arbeiten mit Lehm. Der Klang der Farben und Formen sind für mich prägend.

 

Für mich ist es eine über 30jährige Auseinandersetzung mit der Kunst. Dies auch im Zusammenhang mit regulären Besuchen von Weiterbildungskursen an der Schule für Gestaltung, später ZHdK in Zürich mit den Themen: Farbenlehre nach J.Itten, Farbiges Naturstudium, Figürliches Zeichnen und Malen, Reflexion des Alltäglichen, Imaginieren und Abstrahieren, Stillleben. Dazu die Anwendungen der Techniken im Zeichnen mit Graphit, Kohle und Farbstiften, Collagen, Malen mit Gouache und Farbpigmenten. Dies im Einsatz verschiedenster Bindemittel, wie Eitempera und andere mehr. Durch eine Keramik-Ausbildung m-art in Zürich öffneten sich mir weitere Gestaltungsmöglichkeiten mit Lehm und einem eigenen Brennofen.

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Ausstellung 2019 IM SICHTBAR WERDEN Gedanken zu Bilderserie

Es ist ein Suchen und Finden.

Es sind Formen, Ränder, Strukturen,

Flächen und Zufälle.

Es sind Bewegungen.

Es sind Übergänge in die Helligkeit

und auch in die Dunkelheit.

 

Es sind die Farben in den Oberflächen

und im Untergrund.

 

Es sind auch Überraschungen.

 

Es sind die Wahrnehmungen mit den  Augen.

 

Es ist eine Sehnsucht.

Ausstellung 2018 ECHO

 

​Der Anblick der Bergkette erzeugt ein Bild als ECHO zum eigenen Empfinden. Dies führt zu einer Auseinandersetzung mit sich, der eigenen Wahrnehmung in der Farbigkeit und zum eigenen Ausdruck. Durch diese Erfahrung löst sich die Realität auf.

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Gedanken zu Relief 2015 AN-DURCH-RÜCK-BLICK

 

Die Reliefs leben vom Wechsel des Lichtes mit den Schatten, mit den Höhen und Tiefen, mit den Durchbrüchen und den Reflexionen in den Spiegeln.

Ich trage Skizzen, Notizen und Gedanken mit mir und in mir. Es ist ein Weg des Suchens und Sammelns. Es sind die Einflüsse der Zeit mit den Stimmungen, den Umgebungen und Erlebnissen. Daraus entwickle ich eine Vorstellung, doch es bleibt die Unschärfe und die Grenze der Vorstellungskraft im Dreidimensionalen.

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Ich sitze vor einer vorbereiteten, in einem Rahmen aufgespiessten Lehmplatte. Der Lehm ist weich und verletzlich, form- und schneidbar.   Ich ritze und schneide mit dem Messer, forme mit den Fingern, durchbreche, staune, forme weiter, trage Schichten auf, entferne wieder, sehe das Licht und die Schatten, sehe hindurch, lasse mich auf die Grenzen des Lehmes ein, kämpfe mit dem Machbaren. Ich ändere, verwerfe und probiere wieder, dies über Stunden. Es öffnen sich plötzlich Wege welche sich von der Vorstellung entfernen und sich mit neuen Möglichkeiten kreuzen. Es bleibt das Ungewisse, dies erschöpft sich im Handeln und führt zu einem Ende. Es ist ein Gefühl wie in sich versunken zu sein. Dann wird das Relief mit nassen Tüchern umschlungen und kann ruhen. Es ist verborgen.

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Nach einer Trocknungszeit über Wochen kann ich das Relief das erste Mal in den Händen halten und von allen Seiten betrachten, ein sehr brüchiges Gebilde und doch befreit. Nun wird es in den Ofen gestellt und bei 1000 Grad gebrannt. Es ist nach dieser Hitze wie geläutert und für mich auch eine Erlösung dass es nicht zerbrochen ist. Mittels einer gewaschenen Glasur werden die Spuren der Arbeit in der Oberfläche sichtbar gemacht, dann folgt nochmals ein Brand bei 1000 Grad im Ofen.

 

Die Oberfläche des Reliefs ist weiterhin porös. Für mich beginnt nun die Auseinandersetzung mit den Farben im Gegenspiel zu den Schatten und Durchbrüchen. Das Behandeln der porösen Tonoberfläche mit den Farbpigmenten ist ein Balanceakt. Wenn die Sättigung erreicht ist gibt es kein Zurück mehr. Ich lasse mich treiben im Mischen der Pigmente und im Ausgleichen. Es ist ein Hin und Her der Entscheidungen, wie ein Strudel, ein Kampf zu etwas Einmaligem. Und immer gäbe es noch so viele andere Varianten, doch die Oberfläche ist nun gesättigt. Der Ton und die Farbpigmenten haben sich in einer hohen Affinität verbunden!

Der Spiegel gibt mir einen Rückblick, man sieht die Ferne und auch sein Ich in der Rückseite der Durchbrüche. Es ist ein Wechsel der Blicke zur Distanz, eine Faszination welche mit dem Licht und den Schatten spielt, auch in der Schärfe und Unschärfe des Spiegels, des eigenen „Ich“.

 

Jeder Betrachter kann darin etwas für sich finden!

Wieso es so ist, ist auch immer ein Geheimnis.

Anmerkung: Reliefs nehmen eine Mittelposition zwischen Skulpturen und Gemälden  ein und gehören zu den ältesten künstlerischen Tätigkeiten in der Menschheitsgeschichte. Der Werkstoff Lehm und auch die farbigen Pigmente gehören ebenso dazu.